Samstag, 4. Februar 2012 13:25
Die Mittagssonne scheint.
Mit dem Schnee kriegt die Stadt sogar etwas Ansehnliches.
Ich beschließe mir Kaffee zu holen und eine kleine Runde zu drehen.
Vor der Haustür steht ein kleines Mädchen und sieht mich mit großen Augen an.
Ich zwinkere ihr zu.
Von der anderen Straßenseite ruft die Mutter dem Mädchen zu.
Das Mädchen winkt mir zu und läuft zu ihrer Mutter.
Ich zuppel meine Kopfhörer zurecht.
DJ Bene – House WarmUP @ CafeWaldi.
Arschwackelmusik.
Ein schwarzer Golf fährt die Marktstraße hoch.
Im Maklerbüro sitzt wie fast immer diese unscheinbare Person.
Vor der Bank steht die Mutter und das kleine Mädchen.
Der Golf will in die Große Grüne Straße einbiegen.
Das Hupen höre ich trotz Kopfhörern.
Ich stehe mitten auf der Straße.
Die junge Frau im Golf hebt die Arme und schüttelt den Kopf.
Sie hat eine grüne Mütze auf.
Ich zucke mit den Schultern und grinse.
Die Mutter hält ihre Tochter an der Schulter fest.
Ich gehe weiter.
Der Golf fährt weiter.
Das Mädchen sieht mich an.
Ich zwinkere ihr nochmal zu und auch der Mutter.
Weiter über den fast leeren Markt.
Der Postmann mit den kurzen Hosen flitzt um die Ecke.
Heute mit Jacke.
Aus dem Tabakladen kommt mein Nachbar. Ich glaube, er ist betrunken.
“Tag, wie geht’s?”
“Gut und selbst.”
“Gut.”
“Na dann.”
Zu Rossmann müsste ich noch, mein Putzkram ist heute fast alle geworden.
Montag.
Moni hastet an mir vorbei.
“Keine Zeit, wir sehen uns im Laden?”
“Ja klar, schönes Wochenende.”
Komische Menschen sind hier in der Stadt.
Stiernacken, alte Ehepaare, Hasen und ein Harald.
Die Mutter und ihr kleines Mädchen kommen mir entgegen.
Die Kleine winkt.
Ich auch.
Ich gehe nochmal in den Buchladen.
Vor einem Regal steht eine Frau mit einer grünen Mütze.
Eine grüne Beanie.
Meine ist grau und etwas zu groß.
Ich gehe zu den Karten.
Die Frau steht vor den Romanen und blättert in einem Buch.
Ich brauche eine Karte, die ich zum Anstubsen verschicken kann.
“Kann ich ihnen helfen?”
“Nein, ich gucke nur.”
Die junge Frau geht auf die Buchhändlerin zu.
“Würden Sie mir dann mal bitte helfen?”
“Natürlich.”
Sie sieht mich ganz kurz an und lächelt.
Ich blicke schnell zu den Karten.
Ein junges Pärchen kommt in den Laden.
Ich entscheide mich für keine Karte. Die wäre wahrscheinlich eh umsonst.
“Tschüß und schönes Wochenende.”
“Danke, auf Wiedersehen.”
Die junge Frau mit der grünen Beanie unterhält sich mit der anderen Buchhändlerin.
In der Stadtbäckerei begrüßt mich die Verkäuferin mit den blonden Strubbelhaaren.
“Das Übliche?”
“Ja.”
“3,15.”
“Bitte.”
“Danke, und guten Durst.”
“Bis morgen und schönen Samstag noch.”
“Danke.”
Kopfhörer wieder auf.
Am Wasser ist es sehr hell.
Schnee auf dem Eis.
Wenig Menschen sind um diese Zeit hier unten.
Ein älteres Ehepaar mit roten Wangen schlendert Hand in Hand an mir vorbei.
Sie lächeln.
Ich lächele.
Am Hafen kommt mir eine Gruppe Jugendlicher entgegen.
Ein Lehrer scheint sehr genervt zu sein von ihnen.
Ihnen ist das egal.
Lehrer sind Schülern immer egal.
Feindbild.
Gott hat das so festgelegt.
Ich krieg heute noch Bauchschmerzen, wenn ich Lehrer sehe.
Komische Menschen.
An meinem Haus schiebt meine Nachbarin mit ihrem Kinderwagen los.
Ich geh nochmal zu Edeka.
Ich brauch was zum Schnuckeln.
Obst.
Am Obstregal vor den Mangos steht die junge Frau mit der grünen Beanie.
“Nur Flugmangos schmecken wirklich gut.”
Sie sieht mich an:
“Flugmangos?”
“Ja, Flugmangos.”
“Alles klar, Danke.”
Sie geht.
Ich packe mir ein paar Äpfel ein.
Milch kann ich wohl auch nach den Ferien noch kaufen.
Häagen Dasz, Nougat, Äpfel, Kekse.
An der Kasse grinse ich den Kassierer an.
“Na, arbeitest du wieder durch.”
“Ja, einer muss ja.”
“Immer dieselben oder?”
“Ja, 9,97 bitte.”
Ich reiche einen Zehner rüber.
“Kassenzettel?”
“Nee.”
“Auf Wiedersehen.”
“Tschüss.”
An der anderen Kasse zahlt die junge Frau mit der grünen Beanie.
Ich packe meinen Kram ein und bringe meinen Korb weg.
Die Tür öffnet sich für uns beide.
Ich lasse ihr den Vortritt.
“Danke.”
“Bitte.”
“Flugmango ja?”
“Ja probiere die mal aus.”
“Ich werde mir das merken, Tschau.”
Die junge Frau mit der grünen Beanie dreht sich um und geht Richtung Fahrradladen.
Ich steh noch vor der Tür und starre ihr hinterher.
Ein alter Mann mit seinem Rollator schiebt mich zur Seite.
“Steh nicht im Weg rum, Junge.”
“Ähm, ja, sorry.”
Ich denke:
‘Reene, mach was!’
Gegenüber kommt die Mutter mit ihrer kleinen Tochter vorbei.
Die Kleine winkt mir wieder zu.
Ich sehe Richtung Fahrradladen.
Die junge Frau bleibt vor dem Schaufenster des Brillenladens stehen.
Ich gehe zügig dorthin.
Sie dreht sich um und kommt mir entgegen.
Ich bleibe stehen.
“Hallo.”
Sie bleibt stehen:
“Ja?” und lächelt.
“Hast du Lust auf einen Kaffee?”
“Ja.”
“Oh, toll.”
“Aber ich habe keine Zeit mehr.”
“Oke, na dann.”
Ich will gehen.
“Ein anderes Mal?”
“Ja?”
“Ja. Gib mir mal deine Nummer.”
Sie holt ihr Telefon aus der Tasche.
“Sag an!”
“0176″
“Sagst du mir vorher deinen Namen?”
“Reene.”
“Reene?”
“Ja. R Doppel-e n e”
“Wenn du das sagst.”
“Ja.”
“Weiter.”
“017699293969″
“Gespeichert.”
“Oke.”
“Ich ruf dich dann mal an.”
“Bitte.”
“Dann wünsch ich dir einen schönen Tag.”
“Ja ich dir auch, bis dann.”
Sie sieht mich an:
“Ich bin übrigens Hannah, nur falls dich das interessiert.”
“Ähm, ja klar.”
Sie lächelt, sieht mich noch einmal an, dreht sich um und geht.
Ich steh vor dem Brillenladen und sehe ihr hinterher bis sie weg ist.
Ich hätte sie ein Stück begleiten können, sie geht in meine Richtung.
Der Alte mit dem Rollator geht an mir vorbei.
Spuren im Schnee.
Ich gehe nach Hause.
‘…hatte sie grüne Augen?’
Ich bin nur ganz kurz in meiner Wohnung und packe mein Zeug aus.
Mein Telefon blinkt.
Unbekannte Nummer.
Festnetz. Mutter, jetzt nicht!
Ich gehe jetzt mit ganz viel Musik und guter Laune in den Wald.
Wir sehen uns…